DIE SCHNECKEN

Am Abend und am frühen Morgen regnete es so sehr, dass sich der Bauer Cioppino mit dem Esel Flò zu Tittino, einem Freund von ihm, begab, und ihn einlud, zwischen den Dornen nach Schnecken zu suchen.
Tittino, Tittinooo, ich bin’s, Cioppino! Cioppino. –
Welcher Cioppino!? – , kam unversehens, wie der Blitz, dieser Satz aus einem winzigen Landhaus, bei welchem mitten aus dem Dach eine majestätische Palme hervorspross!
Cioppino aus Porcospino! Wo bist du? Ich sehe dich nicht! –
Ich rasiere mir gerade die Härchen ab. –
Welche Härchen? Ich sehe dich nicht, wo bist du denn? –
Ein großer Hahn von muskulösem Aussehen pickte mit dem Schnabel, der wie eine Zange aussah, nach den Hufen des Esels Flò. Und Flò begann auszuschlagen und zu iahen.
Was ist los mit dir, Flò? -, murrte Cioppino verwirrt.
Iaaah iaaah! Jag den Hahn fort, er kitzelt mich an den Hufen! – , iahte Flò und hielt dem Himmel sein langes, bananenförmiges, ungläubiges Eselsgesicht hin.
Ksch, ksch, böser Hahn, geh zur Henne! –
Und der ging noch ein wenig weiter nach vorne, vor die Augen von Flò, und Flò versetzte ihm einen Tritt in den Hintern und der Hahn floh mit hoch erhobenen Flügeln!
Und aus einem kleinen Türchen trat Tittino heraus, mit blutigem Gesicht.
Was willst du Cioppino? – , sagte Tittino.
Mutter Gottes, wie hast du dir dein Gesicht zugerichtet? Hast du mit den Katzen gestritten? Es scheint, dass eine Verrückte sich mit Krallenhieben über dein Gesicht hergemacht hat. –
Nein. Ich habe mich rasiert … mit dem Rasierer … schau her! –
Aber … siehst du denn nicht, dass der Rasierer ganz verrostet ist? Kauf dir doch einen neuen, im Supermarkt! –
Ja, ja, du hast Recht. Lässt du mich auf dem Esel Flò zum Supermarkt reiten? –
Iaaaah, iaaaah! –
Natürlich nicht. Still Flò. Einen Esel leiht man nicht aus. Flò hat nie einen Huf in einen Supermarkt gesetzt und deshalb sagt er iaaah. Es hat begonnen zu regnen, gehen wir Schnecken suchen, zwischen den Dornensträuchern! Man findet sehr viele davon! Wir ertränken sie mit Wein. –
Eh? –
Bist du taub? Du hast wohl die Ohren mit Ohrenschmalz verstopft, Tittino! –
Ah, wir ertränken sie mit Wein? Gehen wir! Warte, ich nehme den Schirm mit. Und … und wo gehen wir hin? –
In den Libellenwald. –
Und Cioppino und Tittino vertrauten sich dem Esel an und ritten los.
Flò trippelte ein bisschen und Tittino sagte zu Cioppino: – Aber wo tun wir die Schnecken denn hinein? In den Schirm?
Wir haben vergessen, die Körbchen mitzunehmen! –
Ja, in den Regenschirm. Ich habe den Hut! –
Der Esel Flò iahte und schwankte.
Hör auf Flò! Du vertreibst die Schnecken! -, zeterte Cioppino.
Isst Flò sie denn, die Schnecken? – , fragte Tittino.
Flò mag keine Schnecken. Er mag gebratene Sardellen. –
Gebratene Sardellen? Und trinkt er Wein? –
Er trinkt ihn. Ein bisschen Weißen und sehr viel Roten. –
Flò war nicht daran gewöhnt, zwei Personen auf seinem Rücken zu tragen, und auf dem Weglein, das in den Wald führte, begann er mit seinen Hufen, um die sich Dornenranken gewickelt hatten, zu rutschen und zu schlittern.
Steig ab vom Esel, Tittino! Flò wird ohnmächtig. –
Und nur Cioppino blieb auf dem Esel sitzen.
Flò bekam Atemnot und verdrehte die Augen und streckte die Zunge heraus.
Cioppino, Flò hat eine gelbe Zunge! –
Kümmere dich nicht darum! Er bekommt sie, wenn er arbeitet, die gelbe Zunge. Geh nach hinten und schiebe Flò. Vorwärts Flò! Mach schon Flò, tritt fest mit den Hufen auf, damit du dich in der Erde einhaken kannst. –
Und Flò gelang es, die Hufe auf ein ebenes Stück Erde, klein wie ein Taschentuch, zu setzen und dann entdeckte er mit müden Augen eine Libelle, die mit ihren Flügeln die kühnsten Sturzflüge ausführte, und er blieb stehen.
Iaaah, iaaaaah, iaaaaaah … – , machte er immer wieder, und, indem er einen Huf hochhob, wollte er zeigen, dass dies dort der Wald war!
Und dort im Libellenwald band Cioppino den Esel Flò an einer Ginsterpflanze fest.
Und Tittino mit dem Schirm und Cioppino mit dem Hut, so begannen sie Schnecken zu suchen, zwischen Dornsträuchern und Kastanienstrünken.
Tittino, ich habe eine schöne große Schnecke mit buntem Häuschen gefunden! – Und während Cioppino sie in den Hut legte, streichelte er sie und gab ihr den Namen Lorella. Vom Waldboden stieg der Duft von Alpenveilchen auf.
Tittino, ich habe drei kleine Schnecken gefunden! – Und während er sie in den Hut legte, streichelte er sie und nannte sie Ornella und Manuella und Fusella. Und Tittino sah eine schöne Schnecke, und als er sie fangen wollte, verhedderte er sich mit dem Regenschirm in den Dornen; und er schaffte es nicht mehr, aus diesem Gestrüpp herauszukommen! Er verkratzte sich die Ohren und die Nase und dann, ganz langsam, mit dem Kopf nahe der Erde, wie ein Kaninchen, schaffte er es, mit nicht geringen Schwierigkeiten, hinaus zu gelangen.
Und Cioppino lachte und lachte mit seinem kleinen Mündchen. Tittino aber gelang es, die Schnecke zu fangen, und er setzte sie in den Schirm.
Fünfzehn Schnecken! – , schrie plötzlich Cioppino, – fünfzehn Schnecken auf einem Haufen! Sie sind alle schön. – Und während er sie in den Hut setzte, streichelte er sie alle und nannte sie Orsetta, Coniglietta, Tarquinia, Gelsomina, Pierina, Faustina, Geppina, Nina, Clementina, Partorina, Budina, Peppina, Giacomina, Pasqualina und … und Eldorada!
Und das Gesicht von Tittino wurde gelb und grün, als er den Hut von Cioppino sah. Er hatte nur eine einzige Schnecke im Schirm!
Cioppino, warum legen wir sie nicht zusammen, die Schnecken? Bilden wir eine Gesellschaft. Wir legen sie alle zusammen, meine Schnecken und deine, im Hut oder im Schirm? –
Tittino, sag mir, willst du es so machen, wie meine Schwester? Wer wenig hat, will seine Sachen mit dem mischen, der viel hat, und dann halb und halb teilen oder noch ein wenig mehr? Bist du bescheuert? –
Ich bescheuert? – , antwortete Tittino.
Und gemeinsam, einer neben dem anderen, liefen sie über abschüssiges Gelände und Tittino fädelte ganz vorsichtig und langsam die Spitze seines Schirmes zwischen die Beine Cioppinos ein! Und Cioppino rollte mit den Schnecken im Hut hinunter, und auch Tittino, der sich absichtlich fallen ließ, rollte ganz vorsichtig und langsam hinunter, mit seiner Schnecke im Schirm!
Hast du dir wehgetan, Cioppino? Oh Gott, oh Gott, deine und meine Schnecken haben sich vermischt. Vermischt, verstehst du? Und was machen wir jetzt? –
Was soll das heißen, ‚was machen wir jetzt‘? Du wolltest sie absichtlich miteinander mischen, deine Schnecke mit meinen, und dann willst du halbe-halbe machen! Genau wie es meine Schwester immer gemacht hat! Du hast mir die Schirmspitze zwischen die Beine gehalten und … und das tut man nicht! Tittino, du bist ein kleiner Schwindler! –
Was, … ich die Schirmspitze? … Aber was denkst du dir da aus, Cioppino? Das Gestrüpp! Auch ich bin hingefallen. Und außerdem hatte ich jede Menge Schnecken im Schirm! –
Und der Esel Flò, der die Ginsterpflanze aufgegessen und sich befreit hatte, war dorthin gelaufen, und nachdem er gesehen hatte, wie sich die Szene abgespielt hatte, begann er zu schreien wie ein Irrer! – Iaaaah, iaaaaah, iaaaaah! –
Was lachst du, Flò? Hast du den Ginster aufgegessen und dich befreit? Eh, du wolltest den Ginster doch sonst nie essen! Du mochtest ihn nicht. Das nächste Mal werde ich dich an einem Steinpilz festbinden. –
Und Cioppino war ganz schwarz vor Schlamm, nachdem er vom Boden aufgestanden war.
Tittino, du hattest nur eine Schnecke im Schirm! –
Das ist nicht wahr! Viele! –
Warte und du wirst es sehen! –
Und Cioppino, der seinen Hut von der Erde aufgehoben hatte, begann seine Schnecken zu rufen:
Lorella, Ornella, Manuella, Fusella, Orsetta, Coniglietta, Tarquinia, Nina, Gelsomina, Pierina, Faustina, Geppina, Clementina, Partorina, Budina, Peppina, Giacomina, Pasqualina und … und Eldorada! –
Und die Schnecken stellten sich auf, alle in einer geraden Reihe, und sie krochen schön langsam in den Hut.
Und auf der Erde war brav Tittino‘s Schnecke zurückgeblieben, die mit leiser Stimme rief:
Ich will nicht in deinen Schirm hinein! –
Gut. Geh nur in den Hut, geh ruhig in den Hut! Vermische dich, los, los, für den Rest sorge ich! – , zwitscherte Tittino.
Ohne Namen bleibe ich hier auf der Erde. Es ist nicht gerecht, dass… –
Und Cioppino und der Esel Flò lachten sehr, und die Schnecken, mit ihren phantasievoll bunten Häuschen, die es sich schön artig bequem gemacht hatten, im Hut, sie wurden in Ruhe … und im Wald gelassen!
Weil … weil sie die Freundinnen von Cioppino und dem Esel Flò und von Tittino geworden waren und nicht mehr gegessen werden konnten!
Und außerdem hatten Tittino und Cioppino und der Esel Flò allen Grund, wegen der Schnecken zu lachen … Clementina, Partorina, Budina … im Weinkeller des Dorfes Porcospino, und Wein zu trinken und Brot zu essen, und viele Feigen!

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